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Anliegenkarte und Ideensteckbrief

Auf der Seite Wie Gespräche funktionieren haben wir beschrieben, wie aus einer Äußerung einzelne Gedanken werden. Diese Seite zeigt, was aus vielen solchen Gedanken entstehen soll: eine Anliegenkarte und ein Ideensteckbrief.

Eine Anliegenkarte ist eine geordnete Sammlung von Argumenten, Erfahrungen und offenen Fragen rund um eine Frage. Ein Ideensteckbrief beschreibt eine Idee: wohin sie führt und was der nächste Schritt ist.

Der Prototyp des Omniforums ist im Aufbau. Alles, was wir im Folgenden beschreiben, ist ein Entwurf; wir haben noch keinen Versuch abgeschlossen.

Mehr: Whitepaper zum Omniforum, Kapitel 1.

Von der Gedankenkette zur Karte#

Gedanken sind durch Beziehungen verbunden: Einer begründet einen anderen, erhebt einen Einwand, stellt eine Bedingung oder gibt ein Beispiel. Eine Folge von Gedanken, in der Prämissen zu einer Schlussfolgerung führen, nennt das Whitepaper eine Kette. Bei jedem Übergang soll festgehalten werden, auf welcher Regel er beruht, welche Annahmen er trifft und wo er Lücken hat.

Die Anliegenkarte stellt Ketten verschiedener Menschen nebeneinander, auch solche, die einander widersprechen. Beim Anliegen der Bäume in unserer Straße kann eine Kette vom Schatten bei Hitze zu dem Schluss führen, dass es sich lohnt, sie zu pflanzen, eine andere von den Bewässerungskosten und den Wurzeln unter dem Gehweg zu dem Schluss, dass Sträucher besser wären. Wenn dasselbe Wort für die Gesprächsbeteiligten Unterschiedliches bedeutet, halten wir das als getrennte Begriffe mit derselben Bezeichnung fest; so wird die Ursache des Missverständnisses sofort sichtbar.

Ein Anliegen ist eine Frage, zu der jemand zurückkehren möchte, um etwas zu verstehen, zu vergleichen oder gemeinsam zu tun. Ein dauerhafter Link führt zu allem, was dazu gehört: Frage, Quellen, Argumente, Wissensstand und Änderungsgeschichte. Ein privates Anliegen bearbeitet man in Suveria (dem privaten Raum für die Arbeit mit digitaler Intelligenz); ein gemeinsames Anliegenregister ist eine Richtung, die wir in einem gesonderten Versuch prüfen werden.

Mehr: Whitepaper zum Omniforum, Kapitel 5 und Abschnitt 5.1.

Wie man die Karte liest#

Die Karte soll sich ruhig öffnen. Zuerst siehst du eine zentrale Schlussfolgerung mit einer kurzen Beschreibung ihrer Stärke und darunter einige Begründungswege zur Auswahl. Du kannst den Weg aufklappen, der zu deinem Zweifel passt, zurückgehen oder aufhören; jederzeit lässt sich zur ursprünglichen Äußerung gelangen. Eine ehrlich beschriebene Meinungsverschiedenheit ist eine ebenso wertvolle Frucht des Gesprächs wie eine gemeinsame Lösung.

Wenn du nach einer Woche oder einem Jahr zu einem Thema zurückkehrst, sollst du nur sehen, was sich geändert hat: neue Erfahrungen, Korrekturen, Versuchsergebnisse und weiterhin offene Fragen. Nachdem du die Änderungen durchgesehen hast, erhältst du einen klaren Hinweis, dass das alles war, und kannst in Ruhe zu deinen eigenen Beschäftigungen zurückkehren.

Mehr: Whitepaper zum Omniforum, Kapitel 5 und Abschnitt 1.1.

Wie stark eine Schlussfolgerung ist#

Bei einer Schlussfolgerung wollen wir drei Dinge gesondert zeigen:

Ein Maß ersetzt das andere nicht: Vollständige Zustimmung der Teilnehmenden auf Grundlage eines einzigen ungeprüften Berichts ergibt weiterhin eine schwache Schlussfolgerung. Die Skala für diese Bewertungen werden wir erst ausarbeiten, und gut gesicherten Tatsachen fügen wir keine scheinbare Unsicherheit hinzu.

Das Manifest teilt gemeinsames Nachdenken in Fakten (das, was sich überprüfen lässt), Werte (Bedürfnisse und Überzeugungen darüber, was richtig ist) und Hypothesen, also kühne Ideen mit der gekennzeichneten Bedingung „Was müsste möglich werden, damit das funktioniert“. Über Fakten entscheiden Quellen und nicht die Zahl der Stimmen; bei Werten ist jeder Mensch ein gleichwertiger Bezugspunkt. Im Omniforum soll jeder Gedanke eine solche Kennzeichnung erhalten.

Mehr: Whitepaper zum Omniforum, Kapitel 5 und Manifest, Abschnitt 5.1.

Ideensteckbrief#

Kühne Visionen lassen sich leicht als realitätsfern abtun, vorsichtige Pläne als ziellos. Der Ideensteckbrief verbindet beides: Er zeigt, wohin wir gelangen wollen und was der nächste Schritt ist. Er nennt den Status der Idee (funktioniert, Entwurf, Hypothese oder Vision) und beantwortet acht Fragen:

  1. Was ist das? Definition und erwartetes Ergebnis.
  2. Wozu? Wessen Bedürfnisse sie erfüllt und wie ein gewöhnlicher Tag eines Menschen aussieht, der sie nutzt.
  3. Warum? Das Problem in der heutigen Welt, anhand von Fakten und Quellen beschrieben.
  4. Wie und womit? Mechanismus, vorhandene Ressourcen und nächster Schritt.
  5. Was müsste sich ändern? Technische, rechtliche und wirtschaftliche Bedingungen sowie Überzeugungen.
  6. Welche Bilanz und welche anderen Wege? Wer gewinnt, wer die Kosten trägt und welche Alternativen es gibt.
  7. Welcher Versuch? Was wir zuerst prüfen und welches Ergebnis uns dazu bewegen würde, unsere Meinung zu ändern.
  8. Ist etwas Ähnliches schon geschehen? Ein ähnliches Beispiel zeigt, dass der Weg möglich ist, beweist aber nicht, dass wir Erfolg haben werden.

Ein Steckbrief ist kein einzelner Gedanke, sondern eine Ansicht vieler verbundener Begriffe, Aussagen, Quellen, Bedingungen und Versuche. Die ersten Steckbriefe sollen die Ideen aus unserem Manifest beschreiben.

Mehr: Whitepaper zum Omniforum, Abschnitt 5.2.

Von der Idee zur Initiative#

Wenn ein Gespräch zu einer gemeinsamen Feststellung führt, was sich zu tun lohnt, lässt sich eine Initiative gründen, also ein Vorschlag für konkretes Handeln. Sie bewahrt die Links zu den Gedanken und Quellen, auf denen sie beruht, und hat ein klar beschriebenes Ziel, Vorgehen und Verfahren zur Prüfung der Wirkung.

Bevor sie zur Entscheidung über gemeinsame Mittel gelangt, braucht sie das, was das Manifest den grünen Pfad nennt: eine Folge von Verbindungen, die ihre Grundlage in Fakten und die Zustimmung der Gemeinschaft zu den Werten zeigt, auf denen sie steht. Danach folgen gesonderte Entscheidungen: über das Ziel, die weitere Arbeit, die Kostenschätzung und die Umsetzung; die Zustimmung zum Ziel entscheidet nicht über Kosten oder Termin. Bis zur verbindlichen Abstimmung trifft der Vorstand diese Entscheidungen nach Konsultationen. Nach Abschluss veröffentlichen wir die tatsächlichen Kosten, das Ergebnis und die Schlussfolgerungen, auch wenn der Versuch gescheitert ist.

Mehr: Whitepaper zum Omniforum, Abschnitt 5.3 und Manifest, Abschnitt 5.3.

Was wir weiter oben zeigen und was nicht#

Die Reihenfolge, in der wir Inhalte anzeigen, hat öffentliche Regeln und lässt sich ändern. Wir wollen mehrere Anzeigereihenfolgen nebeneinander erproben:

Bei der letzten rückt ein Argument höher, wenn Menschen es annehmen, die in anderen Fragen anders urteilen. Die Meinungsgruppen soll das System allein aus den Bewertungen ermitteln: Niemand wählt sie aus, niemand gehört ihnen an und niemand verwaltet sie.

Im Vordergrund sollen der Inhalt und die Quelle mit ihrem Datum stehen. Wir führen weder öffentliche Beitragszähler noch Ranglisten von Personen, denn sie fördern einen Wettlauf und das Füllen der Karte mit Einträgen, auch durch Bots. Wir wollen, dass Aufmerksamkeit dem folgt, was ein Anliegen klärt, und nicht dem, was Gefühle am stärksten bewegt.

Mehr: Whitepaper zum Omniforum, Kapitel 6.

Lies den Text und sag uns, was du denkst#

Die vollständige Beschreibung der Karten, Steckbriefe und Initiativen findest du im Whitepaper zum Omniforum, besonders in den Kapiteln 5 und 6. Wenn dich etwas beschäftigt oder dir falsch erscheint, markiere diese Stelle im Dokument und nutze die Schaltfläche „Ich habe eine Anmerkung“ oder schreib an salve@novusignis.org.

Mehr: Whitepaper zum Omniforum, Abschnitt 5.5.

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